WIE DIE VORFAHREN LEBTEN: ARCHÄOLOGISCHE SPUREN UND SCHÄTZE

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  083 WESER—HUNTE GESCHICHTE Jens Berthold / Dieter Bischop WIE DIE VORFAHREN LEBTEN: ARCHÄOLOGISCHE SPUREN UND SCHÄTZE  WESER—HUNTE WESER—HUNTE GESCHICHTE GESCHICHTE 084085 Archäologie Mastspitzen eines spätmit-telalterlichen Binnenschif-fes mit Rolandsfigur im Kreismuseum SykeKieferknochen eines Baby-Mammuts aus der Dreyer Kiesgrube im Kreismuseum SykeLanzenspitze Bronze, Fundort LeeseMammutfunde im Museum Nienburg/Weser BIS 12.000 V. CHR. EISZEITALTER MAMMUT, RENTIER, WOLLNASHORN —FUNDE AUS KIESGRUBEN AN DER WESER Das während der letzten Eiszeiten austretende Schmelzwasser schuf eine breite Ero-sionsrinne, die den heutigen Verlauf des Wesertales von Minden über Nienburg und Bremen bis nach Bremerhaven bestimmt. Die Mittelweser war am Ende der Eiszeit Teil eines extrem breiten Flusslaufsystems, das sich zwischen Hoya und Bremen zu einem großen Delta entwickelt hatte und kaum mit dem heutigen Flussverlauf als einzelnem Strom vergleichbar ist. Im Bereich der Mittelweser sind aus zahlreichen Kieswerken viele Knochenreste von Vertretern der eiszeitlichen Tierwelt am Ende der Altsteinzeit ausgebaggert worden. Die in den Museen in Nienburg/Weser und Syke ausgestellten Funde aus den Weserkiesgruben gewähren somit einen einzigartigen Einblick in die Tierwelt am Ende der letzten Eiszeit (Weichseleiszeit) im Bereich des Weser-Aller- Urstromtals bis vor 12.000 Jahren. Die oft großformatig erhaltenen Knochen stam-men vom Mammut, Rentier, Riesenhirsch, Wildpferd, Wollnashorn und Steppenwisent. FUNDE AUS DER WESER AUS JÜNGERER ZEIT Auch aus den folgenden Jahrtausenden wurden einige ganz besondere Funde von Baggern aus den alten Ablagerungen der Weser aus manchmal mehreren Metern Tiefe hervorgeholt. Da der Fluss in den letzten Jahrtausenden seinen Verlauf ständig ge-wechselt hat, liegen heute viele längst wieder zugeschwemmte Altarme unter den Äckern und Weiden links und rechts der Weser. Von über 3.000 Jahre alten Lanzen-spitzen aus Bronze über gut erhaltene Äxte aus Geweih bis hin zu ganzen Schiffen mit einer Ladung Sandsteinen aus Steinbrüchen liegen große und kleine Funde ver-schiedener Epochen vor. Vielfach wurden sie erst durch die Mithilfe von Hobbyar-chäologen entdeckt.  WESER—HUNTE WESER—HUNTE GESCHICHTE GESCHICHTE 086087 DÜMMER-MUSEUM LEMBRUCH Götkers Hof 1 49459 Lembruch T 05447 341 www.duemmer-museum.de ___ Das Museum zeigt eine umfangreiche Ausstellung, die die Entwicklung der Dümmerniederung anhand von archäologischen Funden der Steinzeit beleuchtet 9.600—4.300 V. CHR. MITTELSTEINZEIT VON JÄGERN UND SAMMLERN ZU ACKERBAUERN UND VIEHZÜCHTERN. SIEDLUNGSRAUM STEINHUDER MEER Rund um das Steinhuder Meer finden sich am Rande der feuchten Meerbruchwiesen vie-le steinzeitliche Fundstellen wie Perlen an einer Schnur aneinandergereiht. Hier verlief früher das Ufer des Sees, der nach dem Ende der Eiszeit vom Rande her verlandete und damit schrumpfte. Das Ufer war als Siedlungsplatz beliebt, da man hier Fische, Wasservö-gel und andere Nahrungsquellen durch Jagen und Sammeln ausbeuten konnte. Bevor die Menschen in der Jungsteinzeit Bauern wurden, lebten sie in der Mittelsteinzeit nur von dem, was sie in der Natur vorfanden, da sie selbst nichts anpflanzten oder Tiere züchteten. In dieser Zeit wurden sehr kleine Feuersteine zugerichtet, um sie in die höl-zernen Schäfte der Pfeile zu stecken. Die messerscharfen Steinklingen verursachten tödliche Wunden. Erhalten sind von diesen Waffen heute nur die Feuersteine. SIEDLUNGSRAUM DÜMMER SEE AM ÜBERGANG ZUR JUNGSTEINZEIT Das Gebiet rund um den Dümmer ist heute ein großes Erholungsgebiet. Mit 15 km 2  stellt er den zweitgrößten Binnensee des Landes Niedersachsen dar. Bereits in urgeschichtli-cher Zeit war der besonders flache See im Niedermoor ein Treffpunkt verschiedener Kulturen und ein attraktives Biotop für den gerade sesshaft werdenden Menschen. Am Ende der letzten Eiszeit war das Seegebiet mit 150 km 2  sehr viel größer als heute. Diese Ausdehnung ist durch die im größeren Umkreis um den heutigen See festgestellten mit-telsteinzeitlichen Raststationen mit ihren typischen Jagdwaffen und Werkzeugen abzu-lesen. Hier fanden sich Reste von Pfeil und Bogen, Harpunen aus Knochen, Geweihäxte sowie Feuersteingeräte. Diese Entdeckungen sind dem Heimatforscher Fritz Lohmeyer zu verdanken, der bei der Huntebegradigung zwischen Diepholz und dem Dümmer See ab 1934 diese frühe Siedlungsgeschichte durch zahlreiche Funde belegte. Bei ersten Ausgrabungen in den 1930er und 1940er Jahren konnten am Nordaustritt der Hunte aus dem Dümmer umfassende Siedlungsreste festgestellt werden. Der moo-rige Boden konservierte auch organische Funde bestens, so dass bei dieser »Hunte I« benannten Fundstelle u. a. Holzgefäße, eine Fischreuse, aber auch zahlreiche Knochen-reste von Haustieren wie Rind, Schwein, Schaf, Ziege und Hund geborgen werden konnten. Sie bezeugen die Haustierhaltung in der hiesigen frühen Jungsteinzeit. Archäologie Zeichnungen der Stein-gerätschaften 1940 freigelegte Hütten-grundrisse am DümmerSteinzeitliche Fundstellen am Steinhuder Meer  WESER—HUNTE WESER—HUNTE GESCHICHTE GESCHICHTE 088089 Menschliche Schädelfragmente, die aus einem Bereich der Siedlung stammen, deu-ten, wie auch ein bearbeitetes, vermutlich als Trinkbecher genutztes Schädelteil, auf einen Schädelkult hin, den die Bewohner der Siedlung »Hunte I« vermutlich im Rahmen von Ahnenkult oder Schamanismus ausübten.Erhaltene Getreidekörner, Getreidequetschmühlen und Feuersteinsicheln bezeugen den Wandel vom Jäger und Sammler zum Ackerbauern und Viehzüchter. Am Rande der Siedlung wurde ein über 5 Meter langer Einbaum ausgegraben, der durch eine C 14 -Datierung  auf die Zeit um 3000 v. Chr. datiert werden konnte. Er belegt zusam-men mit Angelhaken, einer Fischreuse und einer Knochenharpune den Fischfang.Ausgrabungen der 1960er Jahre bei Hüde, im Süden des Dümmers, zeigten, dass mit der »Neolithischen Revolution« — beginnend im 5. Jahrtausend v. Chr. — die Menschen nicht nur im Sommer sondern ganzjährig am Dümmer blieben. In der jungsteinzeitlichen Seeufersiedlung konnten in den 1960er Jahren drei Siedlungs-schichten erkannt werden. In der untersten, also ältesten Schicht fanden sich Keramik-gefäße mit Spitz- und Rundböden sowie mit Knubben und Einstichverzierung, die als »Dümmerkeramik« bezeichnet wird. Hierin werden Vermischungen aus den schon jung-steinzeitlichen Kulturen der Bauern und Viehzüchter im Süden und den noch mittel-steinzeitlichen Jägern und Sammlern im Norden deutlich. Über mehr als ein Jahrtausend verlief durch diese Zone eine Grenze zwischen den sehr unterschiedlichen Le bens wei-sen, bis auch der Norden die neue Wirtschaftsweise übernahm. 4000 V. CHR. JUNGSTEINZEIT MODERNE ARCHÄOLOGISCHE METHODEN IN MÜSLERINGEN Die moderne Archäologie beschränkt sich mit ihren Gerätschaften bei weitem nicht mehr auf Schaufel, Grabungskelle und Pinsel. So wurde z. B. bei Müsleringen ein wichtiger Fundplatz nicht durch Funde am oder im Boden, sondern durch Beobach-tungen aus der Luft entdeckt. In der Zeit um 4000 v. Chr. hatten die Menschen hier mächtige Gräben ausgehoben, in die später wieder Erde kam. Die andersartige Fül-lung führt noch heute dazu, dass das Getreide im Bereich der ehemaligen Gräben anders wächst. Dadurch zeichnen sich die Gräben im Bewuchs ab, wenn man sie zum richtigen Zeitpunkt aus dem Flugzeug betrachtet (Luftbildarchäologie). Ein Hobbyar-chäologe hat diese Entdeckung erst vor einigen Jahren gemacht. Die Universität Hamburg hat da raufhin mit Hightech-Geräten in den Boden »geleuchtet« oder »ge-horcht« (sog. Geophysik). Damit konnte ein großes Grabenwerk ganz genau vermes-sen werden, ohne einen Krümel Erde zu bewegen. Mit diesen Vermessungsplänen wurden dann ganz gezielt bestimmte Bereiche ergraben, um zu sehen, was man in den Gräben findet und wie tief sie reichen. Denn erst mittels der gefundenen Keramik oder Holzkohle ließ sich das genaue Alter der Gräben bestimmen. An dieser Stelle nahe der Weser müssen viele Menschen der Umgebung gemeinsam Hand angelegt haben, um einen Platz für Versammlungen und rituelle Handlungen zu schaffen. Darauf deuten Opfergaben wie Keramikgefäße und eine Getreidereibe zum Mahlen von Mehl. In Müs-leringen befand sich vermutlich der gemeinsame Mittelpunkt eines Stammes. Archäologie Müsleringen bei Stolzenau, LuftbildDümmerkeramik Ausgrabung des jungstein-zeitlichen Wohnplatzes am Südrand des Dümmers An-fang der 1960er Jahre C 14 -DATIERUNG Organische Stoffe enthal-ten radioaktiven Kohlen-stoff (C 14 ), der in einer be-stimmten Zeit zerfällt. Fundstücke werden auf den verbliebenen Anteil dieser Kohlenstoffteilchen untersucht und daraus das Alter errechnet  WESER—HUNTE WESER—HUNTE GESCHICHTE GESCHICHTE 090091 CA. 3.000 V. CHR. VON DER JUNGSTEINZEIT ZUR BRONZEZEIT EIN SEHR ALTER FRIEDHOF: DIE SIEBEN BERGE BEI STÜHREN Das Gräberfeld Sieben Berge bei Stühren wurde vom Ende der Jungsteinzeit bis zur frühen Bronzezeit belegt. Es spiegelt den Wandel der Grabsitten in einer Übergangs-phase wider und ist deutlich älter als die meisten Hügelgräberfelder der Region. Der letzte der Sieben Berge — es waren ursprünglich 46 — ragt mit seinen immerhin 2 m Höhe und 23 m Durchmesser eindrucksvoll aus dem Ackerland nördlich des Nordhangs des Klosterbaches heraus. Der letzte Grabhügel seiner Art zeugt hier von einem be-deutenden Hügelgräberfeld der späten Jungsteinzeit und der frühen Bronzezeit, das bis ins 20. Jahrhundert hinein sehr gut erhalten war. Einige durch intensives Überpflü-gen stark verschliffene Grabhügel konnten noch archäologisch untersucht werden, be-vor sie vollständig zerstört wurden. Die Archäologen entdeckten bei der Ausgrabung Archäologie Müsleringen Geophysik, 2011Der letzte der Sieben Berge
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