mit S. Weckmüller: Die römische Palastvilla von Mauchenheim (Lkr. Alzey-Worms). Ber. Arch. Rheinhessen u. Umgebung. Sonderb. 1, 2013, 29-47.

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mit S. Weckmüller: Die römische Palastvilla von Mauchenheim (Lkr. Alzey-Worms). Ber. Arch. Rheinhessen u. Umgebung. Sonderb. 1, 2013, 29-47.

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  Berichte zur Archäologie in Rheinhessen und Umgebung Sonderband 12013 Herausgeber Archäologie in Rheinhessen und Umgebung e.V.Postfach 1130, 55001 Mainzvorstand@archaeologie-rheinhessen.de  Berichte zur Archäologie in Rheinhessen und Umgebung • Sonderband 1 • 2013 29 Die römische Palastvilla von Mauchenheim (Lkr. Alzey-Worms) Sascha Weckmüller/Daniel Burger  villae rusticae in Rheinhessen 1 In den römischen Nordwestprovinzen war das Bild ländlicher Gebiete von einer Vielzahl sogenannter villae rusticae (Gutshöfe) geprägt. Dabei bezeichnet der Begriff im lateinischen nicht allein die moderne Bedeutung des luxuriösen Wohnens in einem entsprechend ausgestat - teten Gebäude mit exklusiver Lage, sondern in erster Linie einen landwirtschaftlichen Produk  -tionsbetrieb. Ohne die systematische Erschließung landwirtschaftlich nutzbarer Flächen wären stadtähnliche Ballungszentren wie das antike Mainz kaum möglich gewesen. Römische Guts-höfe basierten vor allem auf einer gewinnorientierten intensiven Bewirtschaftung mit dem Ziel einer Überschussproduktion zur Versorgung regionaler Märkte 2 . Derzeit sind 345 Fundplätze in Rheinhessen bekannt, die größtenteils als villae rusticae  angesprochen werden können. Sie erreichen Größen von wenigen hundert Quadratmetern bis zu mehreren Hektar Grundäche 3 . Die bewirtschafteten Flächen setzten sich in den Nordwestprovinzen hauptsächlich aus Äcker, Wiesen, Wald sowie Obst- und Gemüsegärten zusammen 4 . Über die angebauten Produkte der rheinhessischen villae rusticae können wir jedoch nur indirekte Aussagen machen, da bis heute kein römischer Gutshof mit modernen Methoden ächig ausgegraben werden konnte. Anhand archäobotanischer Funde aus Mainz wird vermutet, dass der Anbau von Getreide dominierte, dem antiken Hauptnahrungsmittel 5 . Die im Mainzer Legionslager stationierten Soldaten dürf- 1 Der Artikel basiert auf der von S. Weckmüller (ehemals Fücker) im Februar 2008 am Institut für Vor- und Frühgeschichte der Johannes Gutenberg-Universität Mainz vorgelegten BA-Arbeit mit dem Titel „Möglich-keiten der Präsentation eines archäologischen Befundes am Beispiel der römischen Palastvilla von Mauchen- heim“. Für die Publikation wurde der Text gekürzt, überarbeitet und um weitere aktuelle Literaturangaben ergänzt. Für Anmerkungen und die Bereitstellung von Abbildungen sei Mathias Faul, Peter Haupt und Patrick Jung gedankt.2 Dies ist bei Cato agr. 7,1 für den italischen Raum überliefert, dürfte aber auch für die Rheinprovinzen zutref-Dies ist bei Cato agr. 7,1 für den italischen Raum überliefert, dürfte aber auch für die Rheinprovinzen zutref-fen: L ENZ  1998, 50–51.3 Ein großer Teil dieser Fundstellen ist bisher nur über Lesefunde bekannt. Dennoch dürfte es sich größtenteils um römische Landgüter handeln: Faul 2013. Siehe auch die älteren Zusammenstellungen: H AUPT  2006a, 15 Abb. 1. – B AYER   1967, 125–175. – M ÜLLER  -W ILLE /O LDENSTEIN  1981, 266–275.4 Cato agr. 1,7. – Columella 1,2, 4–5. Olivenhaine spielten für die Nordwestprovinzen keine Rolle. Die im ar-Cato agr. 1,7. – Columella 1,2, 4–5. Olivenhaine spielten für die Nordwestprovinzen keine Rolle. Die im ar-Olivenhaine spielten für die Nordwestprovinzen keine Rolle. Die im ar-chäobotanischen Fundgut immer wieder vorkommenden Olivenkerne stammen von importierten Früchten aus mediterranen Regionen: K  ÖNIG  2012, 37.5 Demnach wurde der Spelzweizen Dinkel am häugsten nachgewiesen, gefolgt von Emmer, Gerste, Saat-/ Hartweizen, Rispenhirse und Kolbenhirse: K  ÖNIG  2011, 58. Zu weiteren Anbauprodukten in Rheinhessen sie-he: ebd. 58–60. B ERNHARD  2003, 28 meint anhand der Parzellengröße einzelner villae rusticae auch auf deren Wirtschaftszweig schließen zu können. Er nimmt für die großächigen Betriebe landwirtschaftliche Güter an, während er bei den kleineren Anlagen Viehwirtschaft vermutet. Vgl. auch die Zusammenstellung verschiede-ner Funde landwirtschaftlicher Geräte aus villae rusticae in der Pfalz und Rheinhessen: K  LEE  1994, 206–207.  S. Weckmüller/D. Burger 30ten als Hauptabnehmer ein entscheidender Wirtschaftsfaktor für die örtlichen villae rusticae gewesen sein. Hinzu kommt die Belieferung der verschiedenen vici (kleinere bis größere Zi-vilsiedlungen) wie  Altiaium (Alzey),  Bingium (Bingen),  Borbetomagus (Worms), Cruciniacum (Bad Kreuznach?) und  Buconica (Nierstein?, Lkr. Mainz-Bingen). Ob neben der Getreidepro-duktion der Weinbau für die Region ebenfalls von Bedeutung war, konnte bisher nicht eindeu-tig geklärt werden. Zwar liegen zahlreiche Indizien vor, die für diese Annahme sprechen, so  beispielsweise Funde von Keltersteinen in Worms und Bechtheim (Lkr. Alzey-Worms), Reb-messern und archäobotanischen Resten von Weintrauben 6 . Doch fehlt weiterhin der gesicherte Bezug zu architektonischen Hinterlassenschaften, wie sie für das Moselgebiet und der Pfalz in Form von Kelteranlagen in Wirtschaftsgebäuden einzelner villae rusticae vorliegen und für die dortigen Gebiete als sicherer Beleg für römischen Weinbau gelten 7 . In Rheinhessen sind solche Baustrukturen bisher nicht bekannt 8 . Das heißt jedoch keinesfalls, dass im Mainzer Hinterland nicht mit Kelteranlagen gerechnet werden darf. Vielmehr fehlen hierfür ebenfalls großächige Ausgrabungen oder Prospektionen römischer Gutshöfe, die einen eindeutigen Nachweis von Weinbau in römischer Zeit liefern könnten. Denn ebenso wie das Moselgebiet und die Pfalz, gehört Rheinhessen mit seiner fruchtbaren Hügellandschaft und dem milden Klima zu den be-vorzugten Gebieten für Weinbau 9 .Die Erscheinungsform der Landgüter folgte einem weitgehend einheitlichen Schema mit in-dividuellen Varianten in Größe und Ausstattung ( Abb. 1 ). Um ein zentrales Gebäude, das meist in Stein- oder Steinfachwerktechnik errichtet war und dem Gutsbesitzer als Wohnhaus diente, gruppierten sich die aus Holz bestehenden Wirtschaftstrakte wie Ställe, Geräteschuppen, Maga- 6 J UNG  2010, 19–34. – Zu Funden von Weintraubenkernen: K  ÖNIG  2010, 67–75.7 Zu den einzelnen Nachweisen der Kelteranlagen mit weiterführender Literatur: G ILLES  1999, 204–210.8 J UNG  2010, 19–21.9 K  ÖNIG  2011, 57. Abb. 1.  Idealrekonstruktion einer villa rustica  vom Typ Streuhofanlage.  Die römische Palastvilla von Mauchenheim (Lkr. Alzey-Worms)31zine und Unterkünfte für Landarbeiter sowie Tagelöhner  10 . Aufgrund des besseren Erhaltungs-zustandes sind meist nur die steinernen Hauptgebäude der jeweiligen Anlagen bekannt. Nach außen wurde der Hof von einer Umfassungsmauer mit Toren abgegrenzt. Je nach Anordnung der Haupt- und Nebengebäude werden in der Forschung villae rusticae als Streuhofanlagen oder Axialhofanlagen bezeichnet. Der am häugsten auftretende Typ ist die Streuhofanlage,  bei dem sich die einzelnen Bauten locker verteilt über das eingefasst Gelände verteilen. Bei der Axialhofanlage wird wiederum zwischen der längsaxialen Form und der queraxialen Form unterschieden. Bei der häuger vorkommenden ersten Variante liegt das Hauptgebäude an einer Schmalseite der Umfassungsmauer, während sich die Nebengebäude an den Längsseiten auf- reihen. Die queraxiale Variante charakterisiert sich dementsprechend über das in der Mitte einer Umfassungslangseite errichtete Haupthaus, bei dem sich die Nebengebäude mit dem Hofplatz quer vor dem Hauptgebäude erstrecken 11 . Ein Gradmesser für den Wohlstand des jeweiligen Gutsbesitzers ist die Anzahl mediterraner Architekturmerkmale wie bspw. Fußbodenheizun-gen (Hypokaust), Bäder, Wandmalereien, Mosaiken, Glasfenster und Marmor. Je nach Region und nanziellen Stellenwert kann die Ausstattung des jeweiligen Villenplatzes von prächtigen Herrschaftsbauten bis hin zu kleinen Familienbetrieben mit einer minimalen Grundausstattung variieren. Zusätzlich existieren Anlagen, die sich allein durch ihre Größe von den restlichen Land -gütern abgrenzen. Sie werden in der Forschung als sogenannte „Palastvillen“ bezeichnet und stehen womöglich im Zusammenhang mit kleineren, in Abhängigkeit stehenden villae rusticae in unmittelbarer Nachbarschaft oder verfügen selbst über angeschlossene Wirtschaftstrakte, so dass von einer hierarchisch gegliederten Siedlungslandschaft ausgegangen werden kann 12 . Am Beispiel der Palastvilla von Pleitersheim (Lkr. Bad Kreuznach) ist dies gut zu beobachten. Sie ist durch einen Bach von den Wirtschaftsgebäuden nicht nur räumlich, sondern auch optisch getrennt 13  ( Abb. 2 ). Obwohl einige vergleichbare Komplexe im italischen Raum bekannt sind, stellen die „Palastvillen“ in den Nordwestprovinzen einen eigenen Typ des ländlichen Wohnens dar  14 . 10 Zu dem Einsatz von Tagelöhnern: S CHUCANY  2006, 278. – Ob Sklaven in landwirtschaftlichen Betrieben der  Nordwestprovinzen eingesetzt wurden, ist bis heute in der Forschung umstritten: S CHUMACHER   2001, 102–107 mit weiterer Literatur in den Anmerkungen. Speziell zu Tagelöhnern und Sklaven im Weinbau: S TOLL  1999, 91–96.11 L ENZ  1998, 50–51.12 F REY  2000, 42 sieht bei der Villa Borg (Gmd. Perl, Lkr. Merzig-Wadern) „die zahlreichen kleineren Villen und Höfe der Umgebung (...) in einem Abhängigkeitsverhältnis zu dem großen Gut“. Für das Umland der römischen Villa von Biberist-Spitalhof im schweizerischen Kanton Solothurn werden mehrere umliegende kleinere Villen in Abhängigkeit gesehen: S CHUCANY  2006, 276–277 Abb. 18/2. – Eine Mosaikinschrift aus einem Gutshof bei Laufenburg (Lkr. Waldshut/Baden-Württemberg) belegt, dass das Anwesen von einem Aufseher ( custos ) im Auftrag einer reichen Familie bewirtschaftet wurde, der später zum Pächter aufstieg: R  OTHKEGEL  1994, 43 Abb. 31. Ein ähnliches Abhängigkeitsverhältnis ist bei der Villa von Mauchenheim und den umliegenden Höfen denkbar. Vgl. auch die Untersuchungen zum Kölner Hinterland mit einem ähnlichen Bild, bei dem die größeren Anlagen als „Mittelpunktvillen“ bezeichnet werden: L ENZ  1999, 818.13 F AUL  2013, 199–201 Kat. 268 Taf. 33–34.14 L ENZ  1998, 49 ff.  S. Weckmüller/D. Burger 32 Abb. 2.  Pleitersheim „Mittelwies“ (Lkr. Bad Kreuznach). Luftbild (der linke Teil der Villa liegt außerhalb der abgebildeten Luftaufnahme) und entzerrter Luftbildbefund. A Palastvilla, 1 Portikus, 2-3 apsidal hervorspringende Gebäudeügel, 3 Ostügel mit Funden von Marmorfragmenten, 4-5 Empfangsräumlichkeiten(?), 6 integriertes Wasserbecken(?), B Statuensockel(?), C Nebengebäude.
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